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Letzte Aktualisierung:
01.01.2007

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Die Geschichte des SSV Reichenbach


 
Wie alles begann von 1910 bis 1930
 
     
 

1910

 
     
 

Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es in Deutschland verstärkt zu Gründungen von Vereinen, die sich sportlich und kulturell betätigten. In die bestehenden Vereine aber fand die große Masse der Arbeiter, hervorgegangen aus der stürmisch voranschreitenden Industrialisierung, keinen Zugang. Aufgrund ihrer Leistungen und den damit einhergehenden sozialen Zugeständnissen der Regierungen und der Unternehmer wurden die Arbeiter immer selbstbewusster. Sie gründeten eigene Vereine, in denen sie unter sich in der knappen Freizeit dem Sport und Gesang frönen konnten.

In Reichenbach war dies im Jahre 1910 der “Arbeiterverein Sängerlust“. Junge Steinhauer, Maurer und Zimmerleute wählten Adam Bernhardt zu Ihrem Vorsitzenden. Unter Dirigent Jakob Hartmann, einem Zimmermann aus Lautern, wurden die ersten Singstunden abgehalten. Sie fanden Samstags nach einem zehnstündigen Arbeitstag statt. Zehn bis zwölf Kinder waren zu dieser Zeit in einer Abeiterfamilie keine Seltenheit. Deshalb nahm die Mitgliederzahl im Arbeiterverein schnell zu. Durch ihren Beitritt zum Deutschen Arbeiter Sängerbund (DASB) beteiligte sich „Sängerlust“ bald an regionalen Sängertreffen. Dann ging es sonntags früh singend den Felsberg hoch, ins Balkhäuser Tal und weiter nach Jugenheim oder Alsbach. Nach dem Fest wurde wieder zurückmarschiert. Neben den Sängertreffs nahm der Arbeiterverein auch an den Feiern der örtlichen Vereine teil. Damals gab es in Reichenbach den Männergesangverein Eintracht 1862, den Turn- und Sportverein 1893 und den Gesangverein Liederkranz.

 
     
 
1913
 
     
 
Als erstes großes Fest des jungen Vereins fand vom 21. bis zum 23. Juni 1913 die Fahnenweihe statt. Hierzu wurde den Sängern trotz Bedenken der Eigentümer wegen möglicher Beschädigungen die „Bickelhauptwiese“ zur Verfügung gestellt. Dort wurde der Festplatz errichtet, Bänke und Tische aufgestellt und der Tanzboden gebaut. Die einzuweihende Fahne zeigte die Freiheitsgöttin. Das Ereignis wurde vom Fotografen Georg Keil aus Nieder-Ramstadt festgehalten. Insgesamt 84 Mitglieder ließen sich im Bild verewigen. (Das Bild ist in der SSV Aktuell Ausgabe1 abgebildet.)
 
     
 
1914
 
     
 
Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges und dem Einzug der Männer in den Kriegsdienst erlosch das Vereinsleben. Nach dem Krieg kam es nur schwer wieder auf Touren,
zu viele waren im Feld geblieben.
 
 
 
 
1921
 
     
 
Neuen Aufschwung gab es 1921 durch eine Fusion mit der Arbeiter-Turnvereinigung zur Arbeiter- Sänger- und Sportvereinigung. Erster Vorsitzender wurde Adam Baumunk, geb. am 7.8.1877, Steinhauer, wohnhaft in der Felsbergstraße 6. Dirigent blieb Jakob Hartmann aus Lautern, der jedoch im Laufe der 20er Jahre von Adam Vollrad aus Schönberg und Wilhelm Bersch aus Elmshausen abgelöst wurde. In den sog. "goldenen zwanziger Jahren" entwickelte sich das Vereinsleben gut. Die Sänger probten regelmäßig und nahmen an Sängerfesten teil. Die Turner übten im Schulhof und landeten bei regionalen Wettkämpfen zum Teil ganz vorne. Jeweils im Juli jeden Jahres fand im Schulhof ein Sportwerbetag und mit ihm das Anturnen statt.
 
     
 
1927
 
     
 
Im Juli 1927 wurde auf der "Bickelhauptwiese" die gemeinsame Fahne der Sänger und Turner eingeweiht. Der Weihe ging ein prächtiger Festzug durch den Ort voraus, bei dem Peter Kindinger. Auf der Insel, als Fahnenträger fungierte. Außer-
dem nahm auch der Spielmannszug des Vereins teil. Ihm stand Peter Dehus als Stabführer vor. Die Erfolge des ASSV, damals der größte Verein im Ort, passten jedoch nicht allen ins Konzept. Den Turnern wurde verboten, künftig im Schulhof zu trainieren. Sie wichen zeitweise in die Hofeinfahrten der Anwesen Jährling und Kaffenberger aus. Dies waren jedoch nur Notlösungen. Deshalb strebte der Verein nach eigenen Räumen.
 
     
 
1928 - 1930
 
     
 
Von der Familie Heinrich Essinger, Zehnesweg, konnte 1928 in der Brunnenstube günstig ein 3672 qm großes Wiesengelände zum Preis von 3000 Mark erworben werden. 2400 Mark waren sofort zu entrichten, für den Rest wurde auf das Grundstück eine Hypothek aufgenommen. Durch die Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen wurden in diesen Gebieten alle Militärunterkünfte abgerissen. Ähnlich wie der Lokalkonkurrent TSV konnte auch der ASSV eine 42 Meter große Holzhalle erwerben, die dem Militär vorher als Mannschaftsunterkunft gedient hatte. Viele arbeitslose Mitglieder des Vereins demontierten Ende August die Halle und verluden sie auf Eisenbahnwaggons. Am Kerwemontag holte Philipp Kindinger die Einzelteile mit seinem Lkw am Bahnhof Bensheim ab. In der Brunnenstube wurde die Halle auf die inzwischen von der Firma Heinrich Gerhard errichteten Fundamente gestellt. Nach der Fertigstellung und dem Aufstellen der Inneneinrichtung wurde die Halle noch 1930 ihrer Bestimmung übergeben. Nun blühte das Vereinsleben. Die Turner hatten auch im Winter eine Trainingsmöglichkeit. Die Sänger übten samstags abends. Im Vorraum war eine Gaststätte eingerichtet, für die die Arbeiterwohlfahrt Reichenbach unter ihrem Vorsitzenden Ludwig Krichbaum die Konzession erhielt. Mit der Pachteinnahmen der AWO sollte die Hypothek für den Grundstückskauf abgetragen werden. Bereits in der Jahreshauptversammlung am 19.1.1929 gaben sich die Mitglieder eine Satzung, um die finanziellen Aktivitäten rechtlich abzusichern und um den Verein ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Vorsitzender Adam Baumunk, Rechner Georg Mink, Knodener Straße, und Schriftführer Philipp Weigert reichten den Antrag ein. Die Satzung wurde kurze Zeit später genehmigt und veröffentlicht. 1929 trat Adam Baumunk nach überaus erfolgreichen Jahren als Vorsitzender ab. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Lang, Brunnenstubenweg.
 
     
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  SSV Reichenbach 1910 e.V. - Sportplatz am Felsenmeer - Postfach 51 - 64686 Lautertal / Reichenbach